Grenzstadt, Sitz der Wittelsbacher und Uhrmacherzentrum – die bewegte Geschichte Friedbergs

Die 1264 gegründete Stadt Friedberg im Wittelsbacher Land kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Prägend hierfür waren besonders drei Faktoren: ihre Lage als Grenzstadt des Herzogtums Bayern, das Geschlecht der Wittelsbacher und die Bedeutung der Stadt als europäisches Zentrum der Uhrmacherkunst.

Von Anfang an prägend: die schicksalhafte Grenzlage Friedbergs

Erstmals urkundlich erwähnt wird Friedberg am 6.2.1264 in einem Schutzbrief für die Augsburger Bürger, den der junge Staufer-König Konradin und der Wittelsbacher Herzogs Ludwig II.

der Strenge (1229-1294) ausstellten. Darin kündigten sie den Augsburger Bürgern die Errichtung einer Stadt bei der Burg „Fridberch“ an. Diese war erst wenige Jahre zuvor für die Grenz- und Zollsicherung des Herzogtums Bayern gegenüber Schwaben und der freien Reichsstadt Augsburg erbaut worden.
Der Hintergrund: Der Bischof von Augsburg versuchte Mitte des 13. Jahrhunderts, sein Hochstift nach jenseits des Lechs zu erweitern. Die freien Bürger von Augsburg empfanden dies als Bedrohung. Die Gründung der Stadt Friedberg als Zoll- und Sicherungsstadt sollte ihnen Hilfe bringen.
Die Stadt wurde daraufhin direkt im Anschluss an die südlichen Wehranlagen der Burg angelegt. Hier, auf dem Lechrainplateau, grenzten Mitte des 13. Jahrhunderts wittelsbachisches und staufisches Territorium aneinander.
Friedberg lag an der Vereinigung der Fernstraße von Regensburg und Ingolstadt mit der über München führenden Salzstraße. Dank ihrer strategisch guten Position an der Kreuzung dieser wichtiger Handelsstraßen gewann die Stadt schnell an Bedeutung.
Die exponierte Lage an der Landesgrenze war für die Landesherren aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wichtig. Sie erwies sich im Laufe der Jahrhunderte als Fluch und Segen zugleich: Einerseits brachte sie Friedberg von Anfang an wirtschaftliche Vorteile, andererseits bedeutete sie für die Bürger aber in den folgenden Jahrhunderten oft auch Gefahr, da die häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Augsburg bzw. Schwaben meist auf dem Rücken der Stadt ausgetragen wurden. So wurde die Stadt erstmals 1396 durch die Augsburger niedergebrannt.

Erste Blüte und Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg

Eine erste Blütezeit erlebte Friedberg, nachdem Herzogin Christina von Lothringen die Friedberger Burg 1568 zu ihrem Witwensitz erkor.

Dadurch wurde die Stadt für einige Jahre zu einem Mittelpunkt des bayerischen Hoflebens.
Doch schon im folgenden Jahrhundert wurde dieser blühenden Zeit ein abruptes Ende gesetzt:
1599 wütete die Pest in der Stadt, und im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Friedberg sogar zweimal von den Schweden fast vollständig vernichtet.

Glanzzeiten der Stadt in Renaissance, Barock und Rokoko - Friedberg als Zentrum der Uhrmacherkunst

Doch schon in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg blühte die Friedberger Wirtschaft wieder auf.

Dies zeigt sich noch heute am Friedberger Rathaus, das kurz nach Kriegsende im Jahr 1673/74 nach einem Entwurf eines Schülers von Elias Holl (1573-1646, Erbauer des berühmten Augsburger Rathauses) gebaut wurde. In den prächtigen Spätrenaissance- und Barockelementen seiner Fassade spiegelt sich das Selbstbewusstsein der aufstrebenden Stadt.
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Wittelsbacher Herzöge in Friedberg Handel und Gewerbe gefördert. Das beflügelte vor allem das städtische Kunsthandwerk, und besonders die Uhrmacherkunst. So wurde Friedberg im 17. und 18. Jahrhundert zu einem weithin bekannten Uhrmacherzentrum, das ganz Europa belieferte. Noch heute sind viele Tisch-, Teller-, Wand-, Stutz- und Kutschenuhren im Museum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg sowie in verschiedenen Museen Europas erhalten. Sie zeugen von der einst europaweit gerühmten Kunstfertigkeit der Friedberger Uhrmacher. Vom 16. bis Anfang des 19. Jh. sind in Friedberg weit über 300 Uhrmacher namentlich beurkundet.
Neben Uhren gehörte auch Fayence-Geschirr zu den „Friedberger Spezialitäten“: Dieses ließ Kurfürst Maximilian III. Joseph von 1754 bis 1768 im Wittelsbacher Schloss herstellen. Er wollte durch die „churfürstlich privilegierte Porzelain fabrique“ sein Ansehen festigen und die staatliche Finanzkraft stärken. Friedberger Fayencen aus der Zeit des Rokoko haben heute wegen ihrer Seltenheit Liebhaberstatus.
Aus dieser glanzvollen Zeit stammt auch die Friedberger Wallfahrtskirche Herrgottsruh, die 1753 errichtet wurde. Sie zählt zu den schönsten Kirchen des bayerischen Rokoko. Das Zusammenwirken vieler Meister steht für die stiltypische Einheit aus Architektur, Plastik und Malerei. So stammen die Wandmalereien im Chor von Cosmas Damian Asam, dem berühmten Freskanten der gleichnamigen Kirche in München. Sein Schüler, der Augsburger Freskenmaler Matthäus Günther, schuf die Kuppelfresken. Die Stukkaturen sind von Franz Xaver Feichtmayer aus der gleichnamigen Wessobrunner Künstlerfamilie. 2007 wurde die Kirche aufwändig restauriert.

Das Friedberger Schloss

Der Gründung Friedbergs ging die Errichtung der Friedberger Burg bzw. des Wittelsbacher Schlosses unter dem Wittelsbacher Herzog Ludwig II. dem Strengen voraus.

Die Burg entstand im Hochmittelalter um 1257 auf dem östlichen Höhenzug des Lechtals zum Schutz der bayerischen Zollstation an der Grenze zur Reichsstadt Augsburg.
1409 wurde die Burg unter Herzog Ludwig dem Gebarteten aus- und umgebaut. 1541 verwüstete ein Brand die Anlage, die 1559 im Renaissance-Stil weitgehend erneuert und um den Westflügel erweitert wurde.
Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zu Beschädigungen, die 1652 bis 1656 beseitigt wurden. Mitte des 18. Jahrhunderts waren im Schloss die Fayence-Manufaktur und eine Buntpapiermanufaktur eingerichtet.
Ab 1775 wurde eine Wohnung für den königlichen Landrichter installiert; außerdem diente das Schloss ab 1789 als Sitz der Forstverwaltung. Ab 1803 war hier das Rentenamt (Finanzamt) untergebracht.
1886 schließlich wurde das Museum im Wittelsbacher Schloss gegründet.
1977 begann eine umfassende Restaurierung des Wittelsbacher Schlosses, das weiterhin als Sitz verschiedener Ämter und des Museums diente.
2007 erwarb die Stadt Friedberg das Schloss vom Freistaat Bayern. Heute ist die Vierflügelanlage ein Schmuckstück und bedeutender Zeuge der Stadtgeschichte. Das im Schloss ansässige Museum präsentiert zahlreiche Exponate zur Stadt-, Schloss- und Kunstgeschichte mit Spezialsammlungen der Friedberger Uhren und Fayencen. Darüber hinaus besitzt es eine vor- und frühgeschichtliche Abteilung.

Friedberg in der Neuzeit

1806 war Friedberg erstmals nicht mehr Grenzstadt: Nachdem Bayern unter Napoleon zum Königreich erhoben worden war, zählten Augsburg und Schwaben zu Bayern.

Friedberg wurde „Binnenstadt“.
Unter König Ludwig I. lebten die alten Provinzbezeichnungen wieder auf. Friedberg wurde 1838 Oberbayern zugewiesen.
Das 19. Jahrhundert kennzeichnete die zunehmende Industrialisierung und die damit verbundene Landflucht und Verstädterung. Die Landwirtschaft spielte in Friedberg kaum mehr eine Rolle, Handel und Gewerbe dagegen florierten.
Ab der Mitte des Jahrhunderts machte sich allmählich der Einfluss der Augsburger Maschinen- und Baumwollfabriken bemerkbar. Friedberg wurde Nutznießer der drängenden Wohnungsnot im aufstrebenden Augsburg: Auf Grund der katastrophalen Wohnungsnot arbeiteten Wanderarbeiter in den Fabriken in Augsburg und wohnten in Friedberg.

Erst 1875 erfolgte mit der Eröffnung der Paartalbahn nach Ingolstadt der Anschluss Friedbergs an das Bahnnetz. Die Haupteisenbahnlinie Augsburg-München war 1840 nicht über Friedberg geleitet worden, vielleicht weil die Streckenführung durch das Hügelland zu kompliziert gewesen wäre.
In jedem Fall hatte die Stadt Einspruch beim König gegen eine Streckenführung über Friedberg eingelegt, da unter anderem Friedberger Fuhr- und Kaufleute existentielle Einbußen befürchtet hatten.
Die beiden Weltkriege überstand die Stadt trotz ihrer Nähe zu Augsburg glücklicherweise ohne größere Schäden, hatte allerdings viele Gefallene zu beklagen.
Dass Friedberg unversehrt blieb, ist vor allem den Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, die noch in den letzten Kriegstagen die drohende Zerstörung verhinderten. Eine besondere Rolle spielten hier die so genannten „Mutigen Frauen“, die am 27. April 1945 halfen, die Sperren am Friedberger Berg wegzuräumen und den amerikanischen Panzern den Weg zu ebnen. So wurde die Zerstörung Friedbergs verhindert.
Nachdem Friedberg während der NS-Zeit bereits zum Gau und Reichsverteidigungskommissariat Schwaben gehört hatte, wurde es bei der Neueinteilung der Landkreise mit Wirkung vom 1. Januar 1944 Schwaben zugeteilt. Dies wurde von der Bevölkerung 1950 in einer Volksabstimmung bestätigt.
Heute bildet Friedberg mit Aichach den Landkreis Aichach-Friedberg. Die Gemeinde-Gebietsreform 1978 vergrößerte die Stadt um die Stadtteile Bachern, Derching, Haberskirch, Harthausen, Hügelshart, Ottmaring, Paar, Rederzhausen, Rinnenthal, Rohrbach, Stätzling, Wiffertshausen und Wulfertshausen, so dass sie heute rund 30.000 Einwohner zählt.
Die Herzogstadt verfügt über eine hohe Kaufkraft und ist als bayerisches Mittelzentrum eingestuft.

Stadt Friedberg

Marienplatz 5
86316 Friedberg
Tel. 0821.60 02.0
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